Arbeite ruhig und gediegen, wenn’s nicht klappt, lass es liegen

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Rasenmähen, Foto von Skitterphoto auf Pexels.

Dies war das Motto meines Chefs während meiner Zivildienstzeit. Als Assistenz-Hausmeister gab es für mich eine Menge zu tun, doch wir haben uns gemeinsam nie aus der Ruhe bringen lassen. Natürlich gibt es Dinge, die sofort erledigt werden mussten, zum Beispiel Schneeschnippen, damit niemand ausrutscht. Aber ob der Rasen nun vor Feierabend (der war immer pünktlich 15:42) oder am nächsten morgen fertig gemäht wird, ist eigentlich egal.

Diese Haltung habe ich über das Studium und meine ersten Berufsjahre leider weitesgehend verloren! Der Glaubenssatz “Ich leiste, also bin ich”, wurde einfach zu präsent. Wenn ich 5 Einträge der To-do-Liste schaffe, vielleicht auch 7? Und vielleicht sogar 9, wenn ich meine Büro-Mails auch nach Feierabend checke?

Inzwischen besinne ich mich wieder auf das Mantra meines damaligen Chefs. Und wenn ich nicht im Einklang mit meiner Arbeit bin, wenn ich merke, wie ich mich im hausgemachten Stress befinde, dann: ich lasse es erstmal liegen!

Zunächst hat mir dies Angst bereitet. Verpasse ich Chancen? Bleiben wichtige Dinge liegen? Muss ich nicht etwas beitragen, wo doch die anderen alle so emsig arbeiten? Nein, das ist totaler Quatsch. Das Gegenteil ist der Fall.

Seit dem ich außer in dringenden Fällen meine Arbeit schlicht pausiere, wenn sie mich stresst, haben sich Dinge ergeben, die sonst nicht passiert wären. Seit dem ich geduldiger mit mir bin, bin ich auch geduldiger mit meinen Mitmenschen. Und siehe da: es entstehen ganz andere Beziehungen. Beziehungen die auf Vertrauen beruhen und nicht darauf, sich gegenseitig vorzumachen, wie viel wir gemeinsam erreichen.

So hatte ich mir beispielsweise vor drei Wochen vorgenommen, ein Dialogkonzept für eines meiner Projekte zu schreiben. Es wollte mir einfach nicht gelingen. Schreibblockade, Ideenlosigkeit. Was habe ich gemacht? Ich hab’s liegen gelassen. Und ich habe gediegen ein paar Freundinnen und Freunde angeschrieben, ob sie Rat wissen. Was ist passiert? Inzwischen habe ich drei Menschen kennengelernt, die auch genau so ein Dialogkonzept schreiben oder es vorhaben. Nächste Woche sprechen wir gemeinsam. Geduld zahlt sich aus. Und: in der Zwischenzeit habe ich andere wunderbare Dinge geschaffen, bei deren Bearbeitung ich voll im Flow war und die wiederum anderen nützen.

Mein Chef hatte übrigens noch einen zweiten Spruch: mit Ruhe und Spucke gelingt dir die Mucke. So ist es!