Die eigene Intention erkennen – für nachhaltige Gruppenprozesse

Wer nicht das Genie eines Einsteins besitzt und dessen langen Atem, ist auf Gruppen angewiesen. Eine klare eigene Intention und ein Verständnis, wo sich die Gruppe hinbewegt, trägt maßgeblich zum Gelingen bei.

Anfang diesen Jahres habe ich mich bei einer kleinen Gruppe von Ehrenamtlern engagiert. Erst waren wir 5 Personen, dann schnell 10.

Jedes Mal kamen neue Leute hinzu, ein paar blieben. Doch nach 3-4 Monaten wurde es weniger. Inzwischen sind es nur noch 2 Personen. Die letzten Treffen bin ich nicht mehr hingegangen. Schade!

Projekte, die nicht praktische notwendig sind oder uns am Herzen liegen, scheitern allzuoft. Das wollen wir nicht, sonst hätten wir sie nicht angefangen – weder auf der Arbeit, noch privat.

Manche Gruppen formieren sich und gehen wieder erfolglos auseinander. Andere Gruppen existieren und wirken über Jahre.

Daher stellt sich die Frage: was zeichnet erfolgreiche Gruppen aus?

Wir glauben, der entscheidende Schlüssel zu einer langfristig erfolgreichen Gruppe liegt in ihrem Bewusstsein über ihre eigene Intention.

Die Intention einer Gruppe ist das Ziel, der Sinn und Zweck, warum es die Gruppe gibt. Es verbindet das “Woher” mit dem “Wohin”.

Dazu lohnt es sich, drei Fragen zu beantworten: wo genau stehen wir gerade, warum sind wir hier und wozu sind wir hier:

  1. Wo genau stehen wir gerade?
    Diese Frage betrifft das Wissen, die Gefühle und die Aktionen der Gruppenmitglieder.
  2. Warum sind wir hier?
    Mit dieser Frage begründet jede/r für sich, warum er/sie in dieser Gruppe ist. Wir wollen erklären, was uns in die Gruppe geführt hat. Diese Frage hat also einen Bezug zu unserer Vergangenheit.
  3. Wozu sind wir hier?
    Dies ist die Frage ist nach unser Intention. Was wollen wir aufgrund unseres Wissens, unserer Gefühle und Handlungen in die Welt bringen?

Alle diese Fragen lassen sich auf der Verstandes-, Gefühls- und Handlungsebene beantworten.

Wozu brauchen wir die drei Ebenen?

Wir können uns auf Verstandesebene schnell einig werden, dass sich z. B. ein Prozess in unserer Organisation oder ein Umstand in der Gesellschaft ändern muss. Doch das Bedürfnis, warum wir diese Änderung wünschen, kann sich unterscheiden.

Wenn du erfährst, dass du aufgrund deines Sicherheitsbedürfnis handelst, deine Mitstreiterin aber aufgrund von Gerechtigkeit, kann dies zur Unzufriedenheit mit der Gruppe führen. Die Haltung und die daraus folgenden Handlungen werden möglicherweise zu einem Konflikt führen. Damit finden über kurz oder lang manche Menschen in der Gruppe keinen Anschluss mehr.

Es lohnt sich daher, sich dieser unterschiedlichen Haltungen bewusst zu werden und aktiv dazu zu entscheiden, weiter zu machen.

Idee für eine praktische Übung

Mit dieser Übung werdet ihr euch der eigenen Intention bewusst. Dazu bildet ihr in eurer Gruppe Paare. Abwechselnd entwickelt die erste Person A eines Paares ihre Intention und die andere Person B coacht sie dabei. Hierzu hilft die folgenden Übungsskizze:

  1. A vervollständigt die Sätze:
    Ich möchte mit dieser Gruppe in die Welt bringen: …
    Ich engagiere mich in dieser Gruppe für: …
    B coacht A und achtet darauf, dass A nur zirka 5 Wörter dafür verwendet, um sich wirklich der Intention klar zu werden.
  2. A malt eine Skizze oder ein Bild, wie die Intention in der Gruppe aussieht. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. B beschreibt, was er/sie in dem Bild sieht, um A ein Verständnis der eigenen Intention zu ermöglichen.
  3. A schauspielert / verkörpert in einer kurzen Szene den eigenen Beitrag zur Gruppe. Wie könnte es aussehen, wenn A ihre/seine Intention in der Gruppe umsetzt?
    B beobachtet und teilt dann anschließend, was sie/er in der Szene wahrgenommen hat, um A ein Verständnis der eigenen Intention zu ermöglichen.
  4. Wechsel der Partner und erneut Schritte 1-3.
  5. Teilen der Ergebnisse mit der Gruppe, um eine gemeinsame Intention zu entwickeln.
    (Übung inspiriert durch Christine Wank, Generative Facilitation Institute, Berlin)

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