Das ist mein eigenes Baby!

“Für dich ist deine Firma sicher so etwas wie ein eigenes Baby” – diesen Satz hört man als Gründer häufig. Ehrlich gesagt habe ich nie darüber nachgedacht, ob das eigentlich stimmt. Aber es lässt sich beobachten: viele Gründer und Kreative bezeichnen ihr Produkt und Schaffen als ihr eigenes Baby.

Ich glaube damit ist gemeint, ihr Produkt ist Teil ihrer Identität, sie widmen ihre volle Aufmerksamkeit auf ihr Werk.

Was kann die Folge davon sein? Positive Resonanz und Erfolg wirken auf das eigene Befinden positiv, man empfindet Freude, Stolz, Glück. Das ist leider oft nicht von Dauer, denn man gewöhnt sich an Erfolg. Rücksetzer und Misserfolg wiederum wirken auf einen selbst wie eine Niederlage, man empfindet Ärger, Reue, Wut, Pech.

Schade, ein eigenes Baby hatte ich mir viel positiver vorgestellt.

Nun habe ich mich dazu mit einigen Bekannten ausgetauscht. Und ich komme zum Schluss: alles was wir in unserer Außenwelt suchen, ist endlich – der Spruch “das letzte Hemd hat keine Taschen” bringt dies auf den Punkt. Diese Erkenntnis mag banal erscheinen. Aber dann ist es ja umso naheliegender, sie in sein Handeln einzubeziehen.

Auch ich habe oft mich mit meiner Arbeit identifiziert und meine Firma als einen Teil meines Selbst gesehen. Ich glaube dies hat sowohl positiv als auch negativ auf den Erfolg des Projekts gewirkt. Positiv: ich habe mehr Energie hineingesteckt, wenn mal etwas nicht rund lief – um negative Emotionen zu vermeiden. Negativ: ich habe auch weitergemacht, wenn die Situation aussichtslos war und ich besser etwas verändert hätte – Vermeidung von negativen Emotionen. Außerdem negativ: wenn man dauerhaft mehr Energie in etwas hineinsteckt, als es für einen selbst gut ist, leidet man darunter. Diese Erfahrung musste ich leider auch machen.

Meine Lehre

  • Zufriedenheit findest du nur im Moment (gern Gegenargumente dazu im Kommentarbereich). Das eigene Glück in der Zukunft zu suchen macht nur krank (das Schema dazu: “wenn ich noch A, B und C fertig mache, dann bin ich glücklich”).  Wenn dein Projekt so langfristig ist, dass die Arbeit dorthin über steinige Wege führt, versuche jeden Moment so zu arbeiten, als könnte das Projekt dort enden.
  • Versuche, deine Freude aus der Arbeit zu beziehen und nicht aus der Perspektive.